Erprobungsstufe

Erprobungsstufe

Erprobungsstufe – Struktur


Die Erprobungsstufe umfasst die Jahrgangsstufen 5 und 6. Im Rahmen unseres individuellen Förderkonzeptes bieten wir den Schülerinnen und Schülern einen Einstieg in drei verschiedenen Eingangsklassen an: (1.) Englisch-Bilingual, (2.) Latein plus Englisch und (3.) Englisch. Jede Eingangsklasse führt zum Abitur. Die in der Grundschule begonnene erste Fremdsprache Englisch wird in jedem Fall fortgeführt.

 

Die (1.) Englisch bilingual-Schüler starten mit 4 Stunden Englisch-Unterricht. Die zusätzliche 4. Stunde dient der Intensivierung der kommunikativen Kompetenz. Diese soll die „Bili-Schüler“ auf die Unterrichtssprache Englisch in den Fächern Politik, Geschichte und Erdkunde ab Jgst. 7 vorbereiten. Entscheiden sich die Erziehungsberechtigten für (2.) Latein in Jgst. 5, so ist Latein die 2. Fremdsprache und wird in der Jgst. 5 dreistündig unterrichtet. Daneben wird Englisch zweistündig weitergeführt. In der 6. Klasse stehen dann 3 Stunden Latein (2. Halbjahr 2 Stunden) und 2 Stunden Englisch auf dem Stundenplan. Wenn jedoch (3.) Englisch in der 5. Klasse gewählt wird, so wird Englisch dreistündig als erste Fremdsprache fortgeführt. In der 7. Klasse wählen alle Schülerinnen und Schüler, die mit Englisch / Englisch bilingual gestartet sind, die 2. Fremdsprache, entweder Latein oder Französisch mit jeweils 3 Stunden.

 

Die ausführliche Beratung zur Wahl der 2. Fremdsprache (mit einem Elternberatungsabend, Schnupperunterricht und individuellen Beratungen) erfolgt im 2. Halbjahr der Jgst. 6. Nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Sekundarstufe SI (APO-SI) gliedert sich der Unterricht in die so genannten Kern- und Ergänzungsstunden, wobei Letztere an unserer Schule als Förderstunden in diesen Jahrgängen ausgestaltet werden. In Jgst. 5 wird in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache je eine Förderstunde erteilt, in Jgst. 6 findet Förderunterricht in Englisch und in Deutsch statt. Die Kernfächer bleiben in der Erprobungsstufe in der Regel dreistündig, Sport wird zwei- bis dreistündig und die anderen Fächer werden entweder zweistündig (z. B.) Kunst, Musik oder ein- und zweistündig im Wechsel (z. B. Religion/Philosophie) unterrichtet. In den Naturwissenschaften wird ab Jgst. 5 Biologie unterrichtet, Physik steht ab Jgst. 6 auf dem Lehrplan, Chemie folgt in Jgst. 7. Neu für die Kinder wird auch ein nach den Fächern Politik und Erdkunde aufgeteilter Unterricht sein, der in Jgst. 6 durch Geschichte abgelöst wird.

 

Ihre Tochter bzw. Ihr Sohn muss sich also an eine wesentlich höhere Anzahl von Fächern und Lehrern in den ersten Wochen gewöhnen. Wir sind stets bemüht, Lehrer – und vor allem die Klassenlehrer – so auszuwählen, dass Ihr Kind in mehreren Fächern von einem Lehrer unterrichtet wird. Am Ende der Erprobungsstufe ist darüber zu entscheiden, ob ein Kind geeignet ist, weiter das Gymnasium zu besuchen, oder ob es an einer anderen Schulform besser gefördert werden kann.

 

Da die beiden Schuljahre 5 und 6 als pädagogische Einheit verstanden werden, gibt es keine Versetzung von der 5. in die 6. Klasse. Gleichwohl kann den Eltern empfohlen werden, ihr Kind die 5. Klasse wiederholen zu lassen, wenn es den Anforderungen „im ersten Anlauf“ noch nicht entspricht. Erst am Ende der Erprobungsstufe beschließt die Versetzungskonferenz endgültig über den Verbleib einer Schülerin bzw. eines Schülers am Gymnasium. Dabei sind mehrere Entscheidungen möglich:

1. Versetzung in die 7. Klasse des Gymnasiums verbunden mit der „endgültigen“ Aufnahme in diese Schulform und dem Abitur als Ausbildungsziel (Regelfall).

2. Wiederholung der 6. Klasse des Gymnasiums, falls der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium noch nicht gelungen, aber zu erwarten ist, dass das Kind nach einem Wiederholungsjahr den Anforderungen des Gymnasiums entsprechen wird.

3. Wechsel in die 7. Klasse der Realschule oder Gesamtschule. Eine Wiederholung der Jgst. 5 erfolgte in den letzten Jahren in weniger als 3% der fraglichen Fälle. Gleiches gilt für einen Wechsel zur Realschule.

 

Erprobungsstufe – Pädagogisches Konzept


Die Erprobungsstufe ist geprägt von unserem zentralen Anliegen, den Neuankömmlingen den Übergang zum Gymnasium zu erleichtern und die Freude an der Schule zu erhalten bzw. zu wecken. Dazu haben wir ein Rahmenkonzept mit folgenden Schwerpunkten entwickelt: Bereits vor dem Wechsel auf das Gymnasium, laden wir die angemeldeten Viertklässler zu unserem Kennenlerntag ein. Nach musikalisch- künstlerischen Begrüßungen unserer aktuellen Sextaner, lernt ihr Kind neben seinen Mitschülern und dem Klassenraum auch die Klassenlehrer kennen, die es bei uns im Tandem gibt. Dieses Klassenlehrer- Team, das immer von einer Lehrerin und einem Lehrer gebildet wird, erhält Unterstützung von den Klassen-Mentoren (Jgst. 10), die für kleine Sorgen und Nöten stets ansprechbereit sind und die Klasse durch die Schuljahre der Erprobungsstufe hindurch begleiten.

 

Am 1. Schultag nach den Sommerferien ist es dann endlich soweit: Die neuen „Erasmianer“ werden mit einem bunten Festprogramm begrüßt. Ein zentrales Element ist traditionell das Verlesen der Verhaltensregeln guten Benehmens und respektvollen Miteinanders. Diese Regeln werden in einem feierlichen Akt von allen Schülerinnen und Schülern unterzeichnet. Während der folgenden beiden Sextanertage bleiben die neuen Schülerinnen und Schüler die meiste Zeit über in der Hand der Klassenlehrer und Mentoren, damit sie sich und ihre neue Schulumgebung besser kennen lernen können. Wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres starten alle 5. Klassen gemeinsam mit ihren Klassenlehrer-Teams und Mentoren zu einer dreitägigen Kennenlernfahrt nach Simmerath/Rurberg. Im Naturschutzzentrum Eifel in Simmerath nehmen die Schülerinnen und Schüler an einem erlebnispädagogischen Programm mit den Schwerpunkten Teambildung und Stärkung des Selbstvertrauens teil. Den neu erworbenen Klassenzusammenhalt können die Fünftklässler wenige Wochen später im sogenannten Newbie-Cup, einem integrativen Fußballturnier, unter Beweis stellen.

 

Um den Umgang mit den zahlreichen neuen Fächern und FachlehrerInnen, dem differenzierten Stundenplan und den neuen Anforderungen zu erleichtern, bedarf es der besonderen Unterstützung. Deswegen findet – ebenfalls zu Beginn des Schuljahres – an drei Schultagen unser Methodentraining KOMPASS statt. In diesen modularisierten Unterrichtsstunden geht es um das Einüben von Lern- und Arbeitsmethoden sowie um die Selbstorganisation des Arbeitsplatzes und der Hausaufgaben. In zeitlicher Nähe dazu wird mit allen Schülerinnen und Schülern die „Hamburger Schreibprobe“ durchführt, um zu ermitteln, bei welchem Kind ein Förderbedarf in der deutschen Rechtschreibung besteht. Bei Bedarf werden die zu fördernden Schülerinnen und Schüler zu dem einstündigen ErasFit-Kurs Deutsch eingeladen. Ergänzend dazu bieten wir ErasFit-Kurse in den Fächern Mathematik und Englisch an, die im Bedarfsfall gleich nach der ersten Klassenarbeit im jeweiligen Fach besucht werden können. Dies ist keine Strafmaßnahme, sondern soll der Gefahr früher Frustrationserlebnisse entgegenwirken und Bedingungen schaffen für einen erfolgreichen Abschluss der Erprobungsstufe.

 

Zeitlich parallel zu den ErasFit-Kursen beginnen auch die ErasPlus-Kurse und das AG-Programm. ErasPlus-Kurse sind zusätzliche, reguläre Kurse, die in der Regel eine Stunde pro Woche stattfinden. Das ErasPlus-Angebot weckt bewusst Neugier für thematische Bereiche, die außerhalb der klassischen Unterrichtsinhalte stehen, so etwa Fahrradwerkstatt, Stil und Etikette, gesunde Ernährung etc. Für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 verbindlich ist die Verkehrserziehung, die wir in Zusammenarbeit mit der Polizei durchführen.

 

In den Jahrgangsstufen 5 und 6 arbeitet wir erfolgreich mit dem Trainingsraum, einem pädagogischen Konzept, das die Einhaltung der verbindlichen Regeln verantwortlichen Miteinanders (so von den Schülerinnen und Schülern am ersten Schultag unterschrieben) auch auf die Dauer eines Schuljahres gewährleistet. Handelt ein Schüler in permanenter oder gravierender Weise jenen Regeln im Unterricht zuwider, wird dieser auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht und mit einer ‚gelben Karte‘ verwarnt. Stellt der Schüler sein Verhalten nicht ab, so erfolgt die ‚rote Karte‘ mit folgenden Konsequenzen: Ausschluss aus dem Unterricht für die laufende Unterrichtsstunde, Bearbeitung eines Besinnungsbogens im Sekretariat, Nachbearbeitung des versäumten Stoffes und Nachbesprechung mit dem Erprobungsstufenkoordinator im ‚Trainingsraum‘. Dieses Gespräch wird protokolliert und den Eltern zur Unterschrift mitgegeben. Die ‚rote Karte‘ kann auch bei unsozialem oder gefährlichem Verhalten oder bei erheblichen Verstößen gegen die Hausordnung in den Pausen, der Mensa und in der Übermittagsbetreuung vergeben werden. Wir möchten mit dieser Maßnahme erreichen, dass der Schüler sein Verhalten und seine Motive hinterfragt und seine Mitschüler als ihm Gleichgestellte respektiert sowie die Regeln sozialen Miteinanders verstehen lernt und anerkennt.

 

In einer Vielzahl von Erprobungsstufenkonferenzen und Teamsitzungen tauschen sich die Lehrerinnen und Lehrer über ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit Schülerinnen und Schüler aus, diskutieren den Handlungsbedarf und erwägen gezielte pädagogische Maßnahmen. In intensiver Zusammenarbeit mit den Grundschullehrern (etwa am Grundschullehrertag) und der Schulsozialarbeiterin greifen wir auf kompetente Wegbegleiter und Partner der Kinder zurück.

 

Dirk Kingerske

Erprobungsstufenkoordinator

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